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Auf den Spuren Weseler Stadtgeschichte

Im Vorfeld der Bauarbeiten zur Ausbaustrecke stieß das DB-Team am südlichen Lippe-Ufer auf historisches Mauerwerk. Hier erfahren Sie, woher es stammt und wie archäologische Funde vor dem Bau neuer Gleise gesichert werden.

Wesel blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück: Wegen seiner strategisch günstigen Lage an Rhein und Lippe war die Hansestadt bereits im Mittelalter nicht nur wirtschaftlich erfolgreich, sondern auch militärisch von Bedeutung. Zur Verteidigung der Stadt wurde ab 1688 die einst imposante Zitadelle gebaut, von der am südwestlichen Stadtrand von Wesel noch heute Überreste zu sehen sind. Auch südlich der Lippe, nahe der Mündung in den Rhein, wurde nach Mitte des 19. Jahrhunderts ein wehrhafter Brückenkopf über den Fluss errichtet, das Fort Flam, auch Lippebrückenkopf oder Lipperfort genannt.

Später wurden die Befestigungsanlagen in und um Wesel zurückgebaut, so auch das Fort Flam. Nach und nach verschwanden fast alle Spuren des einst mächtigen Bauwerks. Erst in jüngster Vergangenheit stieß das Team der Ausbaustrecke Emmerich–Oberhausen bei Baugrunduntersuchungen in 80 Zentimeter Tiefe auf eine sechs Meter lange Mauer in dem Bereich, in dem später die Eisenbahnüberführung über die Lippe erneuert werden soll. Die Mauer war Teil des ehemaligen Forts und damit ein möglicherweise bedeutsames archäologisches Zeugnis Weseler Stadtgeschichte.

Die Lage der beiden Sondierungsflächen am Südufer der Lippe, Copyright: LVR – ABR
Die Lage der beiden Sondierungsflächen am Südufer der Lippe (Bild: LVR – ABR)

Aus diesem Grund hat das Projektteam umgehend die zuständige Denkmalschutzbehörde, das Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland im Landschaftsverband Rheinland (LVR – ABR) über den Fund informiert. Die dortigen Experten haben daraufhin zwei Sondageflächen mit je zehn mal zwanzig Metern Fläche ausgewiesen, im Februar 2019 wurden die Flächen in Vorbereitung auf die Grabungen gerodet.

In dem Zusammenhang waren nicht nur die Archäologen gefragt: Auf einer Länge von 300 Metern wurden Reptilienschutzzäune errichtet, um unter anderem Zauneidechsen zu schützen, die in dem Gebiet vermutet wurden. Außerdem hat die Bahn eine umweltfachliche Bauüberwachung beauftragt, um die Auswirkungen auf die Natur möglichst gering zu halten.

Im August 2019 schließlich wurden zunächst unter fachlicher Begleitung des ABR die oberen Bodenschichten voruntersucht und anschließend maschinell bis zu der Tiefe abgetragen, in der die Mauerreste gefunden wurden. Mit einem senkrechten Baggerschnitt wurde geprüft, ob in größerer Tiefe noch mit weiteren Funden zu rechnen ist. Um ein dreidimensionales Geländemodell zu erstellen, wurden der gesamt Bereich detailliert vermessen und dokumentiert.

Im konkreten Fall sind keine weiteren bedeutsamen Fundstücke ans Tageslicht gekommen, die Bauarbeiten können also planmäßig weitergehen. Hier hat sich ein weiteres Mal gezeigt, wie professionell und reibungslos alle Beteiligten zusammenarbeiten und wie wichtig eine sorgfältige Voruntersuchung des späteren Baugrunds ist – nicht nur, um die zukünftige Bahnstrecke auf ein solides Fundament zu stellen, sondern auch, um die Zeugnisse vergangener Zeiten zu bewahren.

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